Wie das Internet Dating für immer verändert hat.

von Laurie Davis Edwards

Wie das Internet Dating für immer verändert hat.

von Laurie Davis Edwards

Mozilla hat die außergewöhnliche Dating Trainerin Laurie Davis Edwards gebeten, ihre Gedanken zum Thema Online-Dating mit uns zu teilen und über die Vor- und Nachteile zu berichten. Anscheinend braucht es für die perfekte Love Story mehr als einen Rechts-Swipe. Auf dem Telefon.

 

Stell Dir Dein Dating-Leben mal ohne Online vor. Was wäre, wenn es keine Dating-Apps oder Webseiten gäbe? Oder ganz simpel: Wenn es keine Social-Media-Plattformen gäbe, um Dich mit neuen Menschen zu verbinden?

Vielleicht hättest Du Deinen aktuellen Partner nie getroffen – Chance verpasst. Oder Du würdest viel mehr     “echte” Flirts draußen in der offline Welt erleben – gewonnene Chance.

Als Online-Dating-Trainerin habe ich beide Seiten der Medaille miterlebt: sowohl das unglaubliche Geschenk, das Dating im Internet sein kann, als auch den seltsamen Umstand, dass wir es Technologie erlauben, sich unseren Beziehungen in den Weg zu stellen. Ich habe neben dem Mann gesessen, der seine Frau auf einer Dating-Website getroffen hat, und ich war das Mädchen, das gecatfished wurde, bevor es den Begriff überhaupt gab.

Ohne Online-Dating gäbe es viele Familien gar nicht, meine eigene eingeschlossen. Mein Mann und ich haben uns auf Twitter kennengelernt, obwohl wir nur zwei Städte voneinander entfernt aufgewachsen sind. Das Leben unseres kleinen Mädchens ist aus den Pixeln entstanden, die ihre Eltern schufen. Und wir sind bei weitem nicht die einzigen.

 

Der Zugang, den wir zu Menschen haben, ist entscheidend.

Bevor es Online-Dating gab, haben wir uns hauptsächlich innerhalb unserer unmittelbaren Umgebung und im Freundeskreis umgesehen. Um über diesen Tellerrand überhaupt hinausschauen zu können, mussten wir eine Menge Zeit aufwenden, um neue Leute zu treffen. Wen Du schon kanntest, hat letztlich auch bestimmt, wen Du daten konntest.

Heutzutage ist das anders. Höchstwahrscheinlich kennst du die Person, die Du mal heiratest, heute noch vgar nicht – und das ist großartig. Wieso?

Ob Du Dein letztes Date auf Tinder, OkCupid, Instagram oder irgendwo anders online getroffen hast — die Liebe Deines Lebens kann tatsächlich unerwartet kommen beziehungsweise gar nicht der „Typ“ sein, den Du erwartet hast. Auch wenn das für Dich nicht unmittelbar spürbar ist, erschaffen diese sozialen Integrationsmöglichkeiten neue Communities und verbinden Familien oder Freundeskreise, die sich früher nie überschnitten hätten.

Wie verändert Online-Dating unsere Beziehungen?

Online-Dating fördert Vielfalt

In einer Studie von Tinder aus diesem Jahr gaben 63 Prozent der Befragten an, daß sie sich wohler dabei fühlen, andere ethnischer Gruppen zu daten, wenn sie dies online tun. Das ist nicht überraschend für Wirtschaftswissenschaftler, wie Josue Ortega und Philipp Hergovich sagen: Früher war für die Frage, wen wir daten, entscheidend, wo wir lebten – deswegen haben eher Menschen ähnlicher Herkunft und Abstammung zusammengefunden. Ortega und Hergovich haben einen mathematischen Rahmen entwickelt, der auf über Jahrzehnte hinweg gesammelten Daten basiert und der durch 10.000 Simulationen zeigt, dass das Internet in unserem Dating-Leben höchstwahrscheinlich zur stärkeren Verbreitung von Ehen beigetragen hat, bei denen beide Partner unterschiedliche Herkunftsländer haben.

Grenzenloser Zugang hat ein Paradoxon der Wahl geschaffen.

Während dieser uneingeschränkte Zugang zu anderen Menschen, die einen Partner suchen, unser Leben tiefgreifend beeinflussen kann, sorgt er auch für ganz neue Verwirrungen. Bei so vielen Möglichkeiten, für wen entscheidest Du Dich? All diese Entscheidungen lassen uns über unser letztes Date nachdenken, während wir gerade mit jemand Neuem flirten. Wahrscheinlich hast Du Dich schon mal dabei ertappt, wie Du eine Person mit einer anderen verglichen hast. Sich nicht nur schnell kennenzulernen, sondern auch schnell wieder zu verlassen, ist nur allzu häufig geworden.

Commitment sieht anders aus.

Es war früher nicht üblich, mehrere Leute zur gleichen Zeit zu daten – heute ist das quasi Standard. Früher haben wir uns mit einem Menschen getroffen und wenn es nicht gepasst hat, haben wir uns halt nach dem nächsten umgesehen. Heutzutage treffen wir uns oft mit vielen Matches gleichzeitig, bis wir eine bewusste Entscheidung für oder gegen eine Beziehung treffen.

Es gibt auch eine emotionale Verschiebung: Viele Leute, die daten, fantasieren viel mehr, als dass sie sich auf dem Boden der Tatsachen bewegen. Der Drang nach Perfektion ist allgegenwärtig – aber wir können unser Liebesleben eben nicht so individuell und spontan anpassen, wie die Oberfläche einer Dating-App oder einer Webseite.

Manchmal vergessen die Leute, dass das Foto auf dem Bildschirm zu einem Menschen gehört, der Respekt verdient hat. Da werden andere ganz einfach geghosted (also komplett ignoriert) oder nie wieder kontaktiert – ohne irgendeine Erklärung. Durch dieses “Überangebot” lehnen wir natürlicherweise mehr potentielle Partner ab und fühlen uns auch selbst häufiger abgelehnt. Unsere Fähigkeit, einen Partner zu finden, korreliert unmittelbar mit der Fähigkeit, mit Ablehnung, Verurteilung und dem daraus resultierenden Schmerz umzugehen – alles Dinge, die zum Online-Dating zwangsläufig dazugehören.

Wie swipest Du den or die Richtige(n)?

 

Ein Dating-Profil zu erstellen, ist wie jeder andere Post auch, ganz allein Deine Wahl – und somit entscheidest Du auch, wie Du an die ganze Sache rangehst. Du kannst Dich entweder auf den enttäuschenden Teil des Ganzen konzentrieren oder aber Dich dafür entscheiden, die Möglichkeiten, die Dir diese Technologien bieten, positiv für Dich zu nutzen. Wir zeigen dir ein paar Möglichkeiten, um das Beste daraus zu machen:

 

Nimm Dir Zeit. Klar kannst Du unendlich hin- und herswipen, bis Du ein Foto findest, dass Dich umhaut. Wenn Du aber nach einer Beziehung suchst, nimm Dir lieber Zeit, die Profile durchzulesen und die andere Person tatsächlich kennenzulernen.

Sag ja zu “vielleicht”. Wir tendieren dazu, schnell Urteile über jemanden zu treffen, den wir auf dem Bildschirm sehen – und sagen deswegen häufiger “nein” als “ja”. Aber wir kennen niemanden wirklich, bevor wir ihn nicht auch offline getroffen haben. Es wird immer “Vielleicht”-Matches geben und häufig übergehen wir sie. Fast alle meiner Kunden sind heute in Beziehungen mit “Vielleicht”-Matches, denn das Potential liegt im Unbekannten. Wenn Du swipst, sag einfach laut “Ja”, “Nein” oder “Vielleicht” und erkläre Dir Deine Entscheidung – so machst Du aus einer unbewussten eine ganz bewusste Entscheidung.

Kreiere Verbindungen durch Gemeinsamkeiten. Je genauer Dein Profil und Deine Nachrichten sind, detso eher kann sich ein Match mit Dir verbinden. Menschen suchen immer nach Bedeutung und wir mögen es, wenn uns jemand mag. Wenn Du Dein Profil erstellst, füge mindestens drei bis fünf handfeste Interessen hinzu, damit ein Match auch mit dir klicken kann. Wenn es dann zum Texten kommt, nimm eins dieser Themen auf, um die digitale Entfernung zu überbrücken.

Authentizität zieht an. Wenn der erste Berührungspunkt auf einem Bildschrim stattfindet, wie ehrlich bist Du dann zu Dir selbst? Es ist einfach, das zu sagen, was andere hören wollen, aber nur wenn Du wirklich authentisch bist, kann auch eine Verbindung zustandekommen. Sei einfach Du. So voll und ganz.

 

Du willst mehr erfahren? Höre dir jetzt in die aktuelle Folge “Missed Connections” von Mozillas mehrfach ausgezeichnetem Podcast IRL an.