100 Tage später: Microsoft lenkt Nutzer*innen von Windows und Copilot nach wie vor in Richtung Edge, wo immer es rechtlich zugelassen ist.

Vor 100 Tagen veröffentlichte Mozilla Over The Edge 2.0, den zweiten unabhängigen Bericht über irreführendes Design von den führenden Experten Dr. Harry Brignull und Cennydd Bowles, der beschreibt, wie Windows, Edge, Bing und Copilot so designt werden, dass sie Nutzer*innen davon abbringen, den Browser zu nutzen, den sie gewählt haben. 

Wir haben den Bericht veröffentlicht und die Forschenden die Belege, die jeder selbst analysieren kann. 

Auch Browser haben Macht. Deshalb überrascht es wenig, dass es in der Geschichte des Internets viele Beispiele für mächtige Plattformen gibt, die Menschen daran hindern, ihren Browser frei zu wählen. Nun, da die KI unsere Online-Erlebnisse grundlegend verändert, steht mehr auf dem Spiel denn je. Browser tragen essenziell zur Verbreitung von KI-Tools und -Diensten bei und bestimmen gleichzeitig immer noch viele der Datenschutz- und Sicherheitsfunktionen, auf die sich die Nutzer*innen täglich verlassen. Indem die Menschen dazu gebracht werden, einen bestimmten Browser zu nutzen, kann auch Einfluss darauf genommen werden, welche KI-Dienste genutzt werden und welche Sicherheitseinrichtungen damit einhergehen. 

Wir haben unseren Bericht auch mit Microsoft geteilt und mit dem Unternehmen die im Bericht aufgezeigten Probleme besprochen. Wir wussten, dass ein sofortiger Wandel unwahrscheinlich war. Aber wir hatten gehofft, dass sie – angesichts unabhängiger Belege für schädliche Designpraktiken, die Windows-Nutzer*innen beeinträchtigen – ebenfalls das Beste für die Menschen wollen würden.

Stattdessen wurde es deutlich, dass Microsoft die Wahlfreiheit der Nutzer*innen nur dann respektieren wird, wenn es dazu gezwungen wird. Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, was das für ein Unternehmen bedeutet, dessen Betriebssystem auf mehr als einer Milliarde PCs installiert ist. Microsofts Maßstab für die Achtung der Entscheidungen der Menschen ist die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Nicht, was für die Nutzer*innen am besten ist. Nicht die eigenen veröffentlichten Prinzipien. Nicht, was technisch möglich ist. Nicht mal, was es für Nutzer*innen in Europa schon tut.

Das ist das Schockierendste daran. Nicht, dass Microsoft sich dieser Taktiken bedient – das haben wir schon früher beobachtet. Sondern, dass es schon eine bessere Windows-Version gibt, die auch verfügbar ist – aber nur für Nutzer*innen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Hier ist der Digital Markets Act (DMA) ausschlaggebend. Alle Nutzer*innen in den Vereinigten Staaten, Indien, dem Vereinigten Königreich oder an den meisten Standorten rund um die Welt bekommen ein weit schlechteres Erlebnis und haben weniger freie Wahlmöglichkeiten.

100 Tage später gilt für Menschen außerhalb des EWR immer noch: 

  • Die Windows 10 Nachricht „Die Einrichtung deines PCs ist fast abgeschlossen“ nutzt knifflige Formulierungen, um die Nutzer*innen von der von ihnen gewählten Standardeinstellung abzubringen. 
  • Die Windows-Suche und -Widgets öffnen Links in Edge statt im gewählten Standardbrowser. 
  • Windows behält immer noch Edge als Standard für gängige Browser-Dateitypen wie PDFs und SVG-Bilder, auch wenn ein anderer Browser als Standard gewählt wurde.

Aber auch die Menschen im EWR haben mehr verdient:

  • Edge ist immer in der Taskleiste angeheftet; das scheint ein direkter Verstoß gegen „den prinzipienorientierten Ansatz beim App-Pinning und bei den Standard-App-Einstellungen“ zu sein. 
  • Copilot, Microsofts KI-Tool öffnet Web-Links in einem Seiten-Panel anstatt im von den Nutzer*innen gewählten Browser, und zwar in allen geprüften Regionen, auch in Europa.
  • Windows Backup, das Tool, das Microsoft einsetzt, um Nutzer*innen durch die Migration zu Windows 11 zu leiten, versucht im Hintergrund, Edge bei der Wiederherstellung eines PCs als Standard festzulegen, statt den gewählten Standard-Browser mitzunehmen. 

Die meisten Muster aus 2024 sind noch da. Die Muster aus 2026 sind noch schlimmer. Microsoft nutzt neue Oberflächen wie Copilot und die Migration zu Windows 11, um die Wahlfreiheit der Nutzer*innen weiter zu untergraben.

Unsere Forderung war immer einfach: Erstens, stellt allen Windows-Nutzer*innen die faireren Designs, die es im EWR schon gibt, zur Verfügung – unabhängig von ihrem Standort. Zweitens, stoppt die übrigen schädlichen Designpraktiken, die es auch im EWR noch gibt. Was das heißt?

  • Die übrigen schädlichen Designpraktiken im EWR stoppen und den Standard weltweit einführen.
  • Die Browser-Wahl der Nutzer*innen überall respektieren, wo sie aktuell noch ignoriert wird, auch bei der Windows Suche, Widgets, Copilot und der Wiederherstellung aus dem Windows-Backup. 
  • Die App-Pinning Prinzipien von 2023 von Microsoft auch auf Edge selbst anzuwenden. 

In dem von Mozilla in Auftrag gegebenen Bericht ging es nie um Absichten. Sondern um Rechenschaftspflicht und die Verantwortung von Microsoft, die Entscheidungen der Menschen nicht länger zu untergraben. Die von uns dargelegten Praktiken müssen geändert werden. Absichtserklärungen ersetzen kein Handeln.

In den vergangenen 100 Tagen haben wir aufgehört, auf ein Handeln von Microsoft zu warten. Stattdessen haben wir den öffentlichen Druck auf das Unternehmen erhöht, die Wahlfreiheit der Menschen zu respektieren.

Außerdem legen wir die Ergebnisse des Berichts den Aufsichtsbehörden und politischen Entscheidungsträgern vor. In Europa hat nur der DMA Microsoft zu Veränderungen bewogen. Überall sonst ist es dasselbe: Microsoft liefert nur dann, wenn eine Aufsichtsbehörde ein faireres Design verlangt. 

Wir hoffen, dass die Aufsichtsbehörden in den USA, dem Vereinigten Königreich, Indien und Brasilien aufmerksam sind. 

Microsoft kann es besser machen. So wie für die Menschen des EWR.

Solange das Unternehmen nicht in allen Ländern gleich vorgeht, werden wir weiterhin auf seine Entscheidungen und deren Auswirkungen auf Hunderte Millionen Nutzer hinweisen, die sich etwas anderes wünschen. 

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