Ein Besuch bei Mozilla Berlin und den Frauen, die das Web besser machen

Ein Besuch bei Mozilla Berlin und den Frauen, die das Web besser machen

Wer das Web verbessern möchte, dem stehen dazu unzählige Möglichkeiten zur Auswahl. Vom Coden über Office und Community Management bis hin zur Kommunikation mit Politik und Öffentlichkeit kann sich in der Tech-Branche jeder so engagieren, wie es seinen Fähigkeiten und Interessen entspricht – ob hauptberuflich oder ehrenamtlich. Im Berliner Büro von Mozilla ist das nicht anders.

Rund 50 Mozillians aus 13 Nationen sowie zahlreiche ehrenamtliche Community-Mitglieder arbeiten hier mit unterschiedlichsten Jobbeschreibungen an einer gemeinsamen Sache: Das Web zu einem besseren Ort zu machen. Diversität und Offenheit werden dabei auch offline groß geschrieben, denn wenngleich die Branche sonst vergleichsweise maskulin geprägt ist, kämpft hier eine ganze Reihe weiblicher Mitstreiter an vorderster Front für ein gesundes, nutzerfreundliches und innovatives Web. Wir stellen einige Mitstreiterinnen vor.

Wer das Berliner Office von Mozilla betritt, trifft zuerst auf Martyna Sobczak. Als Office Managerin ist sie die erste Ansprechpartnerin für alle, die an der auffälligen Videoinstallation vorbei in das Berliner Büro kommen und damit auch der erste Kontakt zu Mozilla. Eine ihrer Aufgaben ist es, die Veranstaltungen zu planen, die in den Räumlichkeiten des Berliner Büros stattfinden. So bringt Martyna Technologen, Denker und Entwickler zusammen und schafft einen ‘safe Space’ für alle, die das Web lebendig und offen gestalten möchten.

Anja Fordon kümmert sich währenddessen um die virtuellen Kontakte. Als Social Media Strategist trägt sie die Werte und Überzeugungen der Mozilla-Gemeinschaft in die Welt hinaus. „Ich versuche, das Web zu verbessern, indem ich den Menschen im Web zuhöre und Gespräche über die Themen führe, die uns allen am Herzen liegen“, erklärt Anja. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Firefox. Anja beschreibt Themen wie zum Beispiel Datenschutz und Netzneutralität – oder die Frage, wie man als berufstätige Mutter Karriere in einem Tech-Unternehmen machen kann.

Auch Cathleen Berger trägt Mozillas Mission in die Welt hinaus, allerdings in die Welt der Entscheider. Cathleen arbeitet bereits seit einigen Jahren im netzpolitischen Bereich – aus Überzeugung, wie sie selbst sagt. Als Global Engagement Lead vertritt sie Mozilla in globalen Internetforen wie dem Weltwirtschaftsforum oder der re:publica. „Ich helfe dabei, zwischen ‚Tech Speak‘ und den Ideen politischer Entscheidungsträger zu übersetzen, zu vermitteln, und darüber aufzuklären, welche Optionen die Interessen der Nutzer am besten schützen“, fasst Cathleen ihren Job zusammen. Das bedeutet Vorträge halten, Kontakte knüpfen, viele Reisen und natürlich auch, stets ein Auge auf aktuelle netzpolitische Themen wie Privatsphäre, Sicherheit oder digitale Teilhabe zu behalten.

Ein besseres Web ohne engagierte Entwicklerinnen? Nicht vorstellbar! Eine davon ist Ola Gasidlo. Die Senior Frontend Entwicklerin kümmert sich mit einem internationalen Team darum, dass jede Webseite in jedem Browser gleich funktioniert. ‘Webcompat’ heißt das Open Source Projekt, für das Ola Code schreibt, neue Features entwickelt und Mitstreitern und Entwicklern aus aller Welt hilft, Kompatibilitätsbugs und Probleme auf deren Webseiten zu identifizieren und zu beheben. Was technisch hinter einer guten Webseite steckt, erklärt sie auch regelmäßig auf Konferenzen – wie z. B. bald auf der JSConfEU. Als Senior Frontend Entwicklerin bei Mozilla sorgt Ola dafür, dass jede Information im Web für jeden frei zugänglich bleibt – egal, welchen Browser ein Nutzer verwendet.

Eine Sache, für die sich auch Konstantina Papadea einsetzt. Die Community Managerin hilft den vielen Freiwilligen, die Mozilla bei der Wartung des Webs unterstützen, eine Aufgabe zu finden. Und das ist gar nicht so leicht, wie es sich vielleicht anhört: „Die große Herausforderung an meinem Job ist es, eine Aufgabe zu finden, die Spaß macht und für die sich die Community gerne einsetzt“, fasst Konstantina zusammen. “Diese Aufgabe muss selbstverständlich auch zu Mozillas Ziel passen, das Internet als eine weltweite, öffentliche Ressource zu erhalten.“ Eine dieser Aufgaben ist es beispielsweise, die Kompatibilitätsprobleme auf Webseiten ausfindig zu machen, die Ola mit ihrem Team ‘repariert’.

Arielle Kilroy sorgt nicht nur dafür, dass diese Arbeit möglichst viel Spaß macht, sondern dass sie auch möglichst leicht von der Hand geht. Als Senior Product Manager im Open Innovation Team ist sie dafür verantwortlich, Produkte in die Welt zu bringen, die dem ‘Open by Design’-Prinzip folgen. „Ich verbringe einen großen Teil meiner Zeit damit, mich mit unseren Stakeholdern abzustimmen, um ihre Bedürfnisse zu verstehen und dafür zu sorgen, dass sie auf dem Laufenden bleiben und sicherzustellen, dass die Erfahrungen aller Mitwirkenden berücksichtigt werden“, sagt Arielle. Ihr Ziel ist es, dass jeder, der einen Beitrag zur Mission oder zu den Produkten von Mozilla leisten möchte, einen einfachen und wirkungsvollen Weg findet, dies zu tun.

Bei Emanuela Damiani liegt der Fokus demgegenüber auf der ‘User Experience’: Die UX Designerin im Firefox UX Team möchte, dass jeder Mensch, der im Web surft, eine schöne Nutzererfahrung hat. Und die beginnt mit der Nutzeroberfläche. Emanuela hat sich daher unter anderem der Entwicklung des Photon Design Systems verschrieben und dem neuen Firefox Quantum damit eine moderne und smarte Benutzeroberfläche verpasst.

„Die Bedürfnisse des Nutzers kommen immer zuerst. Wenn ich etwas designe, lege ich großen Wert darauf, dass die Sicherheit und der Schutz der Privatsphäre der Nutzer dabei gewahrt bleibt – auch wenn das meinen Job komplizierter macht“, erklärt Emanuela. Ein Aspekt, der auch für Kathryn Hing im Vordergrund steht. „Bei der Produktentwicklung müssen ethische Designentscheidungen immer eine Rolle spielen“, erklärt die Produktdesignerin beim E-Scooter Sharing-Dienstleister COUP. „Jede Entscheidung, die wir treffen, hat eine nachhaltige Wirkung auf den Nutzer und darauf, wie ihm das Produkt gefällt und wie er es nutzt.“ Kennengelernt haben sich die beiden über die UX-Community in Berlin – die sich auch zu Veranstaltungen im Berliner Mozilla Büro trifft. Denn genau zu diesem Zweck wurde der gut 100 Quadratmeter große Community Space gestaltet: als Platz für Meet-Ups, Diskussionen und den offenen Austausch – auch für Entwickler und Denker, die nicht direkt bei Mozilla angestellt, aber Teil der weltweiten Community sind. Gemeinsam mit der Service- und UX-Designerin Audrey Liehn organisierte Kathryn erst kürzlich das Speaker-Event der IxDA Berlin und lud rund 80 Gäste in den Community Space nach Kreuzberg ein. „Auch als Gast bekommt man ein gutes Gespür für die Kultur bei Mozilla. Unsere Veranstaltung fand mitten im Büro statt und man konnte nie ganz sicher sein, ob nun ein Veranstaltungsteilnehmer oder ein Mitarbeiter mit Dir am Kühlschrank steht,“ erzählt Audrey über die Veranstaltung. „Diese Offenheit passte sehr gut zu unserer IxDA-Community.“

Seit Ende 2017 ist der Community Space auch das neue Zuhause der Nodeschool Berlin. Jeden zweiten Donnerstag bringen Julia Krüger und vier weitere Teammitglieder allen, die es schon immer ausprobieren wollten, das Programmieren mit Node.js bei. Absolute Anfängerinnen sind dazu nicht nur herzlich willkommen, sondern ausdrücklich erwünscht, denn Vorkenntnisse in JavaScript muss niemand mitbringen. Als Webentwicklerin liegt ihr viel daran, ihr Wissen zu teilen und andere – und zwar besonders Frauen – dazu zu animieren, es mit dem Programmieren einfach einmal zu versuchen und so die Struktur und Funktionsweise des Webs ein bisschen besser kennen zu lernen.

Dass der Wissensaustausch im Mozilla Community Space nicht zwingend auf fachliche Kompetenzen beschränkt bleiben muss, zeigt die brandneue Zusammenarbeit mit den Women Techmakers Berlin: Erst im Februar veranstalteten sie hier ein erstes ‘Parents in Tech’-Event, um die Vielfalt in der Berliner Tech-Szene zu fördern. Während der Nachwuchs ausgiebig bespaßt wurde, erfuhren die teilnehmenden Eltern mehr über ihre Rechte und Möglichkeiten. Ins Leben gerufen wurde die Meet-up-Serie im Jahr 2015 von Natalie Pistunovich mit einem wichtigen Hintergedanken: „Die durchschnittliche Mitarbeiterin hat zwei Jobs: Einen, mit dem sie Geld verdient und einen als Mutter. Warum machen wir diesen Frauen das Leben nicht etwas leichter?“

Auch Anna-Lena König möchte Frauen in der Tech-Branche unterstützen und vernetzen. Als Produkt- und Projektmanagerin in der Softwaredevelopment Agentur Evenly koordiniert sie die Entwicklung mobiler Apps. Einmal im Monat organisiert sie mit Emanuela Meet-Ups für die „Ladies That UX Berlin“, die im Oktober 2017 auch im Berliner Mozilla Büro zu Gast waren. Für Anna-Lena ist der offene Austausch essentiell: „Manchmal reicht es eben schon, wenn man weiß, dass andere Menschen ähnliche Gedanken und Herausforderungen haben.“ Und, dass man diese Herausforderungen auch gemeinsam angehen kann. Denn niemand kann das Web alleine verbessern. Aber das muss man ja zum Glück auch nicht.

“Warum ist es wichtig, dass das Internet für alle offen und zugänglich bleibt?”

 

Ola Gasidlo, Senior Frontend Entwicklerin

„Stell Dir vor, es gäbe einen Dienst oder ein Produkt, das Du nur mit einem einzigen Browser verwenden kannst – aber dieser Browser sammelt all Deine Daten. Viel mehr Daten, als Dir lieb ist. Oder stell Dir vor, Dein Browser blockiert Dir den Zugang zu einem speziellen Dienst, weil Deine Daten nicht gut genug sind, um lukrative Werbung zu generieren. Was aber, wenn Du genau diesen Dienst für Deine tägliche Arbeit brauchst, weil alle anderen ihn auch benutzen? Mit unserer Arbeit halten wir das Internet offen und kämpfen für Dein Recht, eine Wahl zu haben.“

 

Cathleen Berger, Global Engagement Lead

“Das Web ist einer der faszinierendsten grenzüberschreitenden Räume, den die Menschheit kreiert hat. Es bietet die Möglichkeit zu lernen, Wissen auszutauschen, zu ‘reisen’ und Menschen zu verbinden; und all das über geografische, kulturelle, sprachliche, soziale Grenzen hinweg. Dem wohnt für mich ein Zauber inne, für den es sich zu kämpfen lohnt und der durch Offenheit und Teilhabe nur größer werden kann.”

 

Anja Fordon, Social Media Strategist

“Für mich ist das Web eine perfekte und unglaubliche Darstellung des menschlichen Zusammenlebens, im Guten wie im Schlechten. Wenn das Web zu einem exklusiven Raum werden würde, würden wir viele wichtige Perspektiven gar nicht mitbekommen. Denn nur wenn wir in der Lage sind, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu sehen, sind wir auch in der Lage, sie wirklich zu verstehen.”

 

Konstantina Papadea, Community Managerin

“Ich liebe die Anarchie des Webs und die Tatsache, dass ich die Gedanken und Meinungen anderer Menschen von meiner Couch aus lesen kann. Wenn wir das Web nur den ‚Big Playern‘ überlassen, wird es ein passives Kommunikationsmittel werden: Ein weiterer Fernseher, der nur Informationen aus ausgewählten Quellen verbreitet, die das Publikum eher manipulieren als es zu informieren.”

 

Martyna Sobczak, Office Managerin

“Wir brauchen ein offenes Web für alle, damit jeder – unabhängig von Geschlecht, Nationalität oder Alter – die gleichen Möglichkeiten hat. Jeder sollte kostenlosen Zugang zu diesem unglaublich großen Schatz an Wissen und Bildung im Web zu erhalten. Jeder sollte die Möglichkeit haben, seine Meinung zu sagen. Und jeder muss selbst entscheiden können, welche Inhalte man mit anderen teilen möchte und welche man lieber für sich behält.”

 

Emanuela Damiani, UX Designerin im Firefox UX Team

“Meine Kindheit war nicht einfach. Aus verschiedenen Gründen konnte ich nicht mit anderen Kindern draußen spielen und Zeit mit ihnen verbringen. Das offene Web hat mir ein Fenster zu einer Welt eröffnet, die für mich ansonsten unerreichbar gewesen wäre. Ich bin mir sicher, dass es da draußen mindestens ein anderes Mädchen gibt, das sich so fühlt wie ich damals und das mithilfe des offenen Webs entdecken kann, wer es wirklich ist und was es in dieser Welt erreichen kann.”

 

Arielle Kilroy, Senior Produktmanagerin im Open Innovation Team

“Das Internet ermöglicht uns Zugang zu einer unfassbar großen Sammlung an Informationen und Meinungen und bietet jedem die gleiche Möglichkeit, sich selbst und seinen Themen Sichtbarkeit zu verschaffen. Das macht das Web zum größten Demokratisierer unserer Zeit.”

 

Anna-Lena König, Produktmanagerin bei Evenly

“In diesem Jahr wird mein persönlicher Blog zehn Jahre alt. Es mag keine große Sache mehr sein, einen Blog zu haben, aber es mir geholfen, mit unheimlich vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Wenn ich über Themen schreibe, die mich interessieren, bekomme ich Nachrichten von Freunden und Fremden, die mir über ihre Erfahrungen mit dem Thema berichten. Das Teilen von persönlichen Geschichten im Internet kann viele positive Effekte haben.”

 

Audrey Liehn, Service und UX Designer bei Service Innovation Lab Berlin

“Je intensiver ich mich in Communities austausche und mit ihnen zusammenarbeite, desto mehr glaube ich an die Verantwortung und die Wirkung des Einzelnen. Wir brauchen einen offenen und zugänglichen Raum für die gemeinschaftliche Arbeit. Um Wissen zu sammeln, zu diskutieren und uns auszutauschen – online und offline. Wir müssen uns organisieren, damit wir uns gegen die Großen der Branche behaupten können.”

 

Kathryn Hing, Produktdesignerin bei COUP

“Wenn das Web nicht offen und zugänglich für alle wäre, könnten wir es auch nicht mehr ‘World Wide Web’ nennen.”

 

Julia Krüger, Webentwicklerin bei Neighbourhoodie Software

“Indem das Web uns den Zugang zu kostenloser Bildung und Kontakt mit einer unfassbar großen Gemeinschaft an Menschen ermöglicht, können wir nicht nur Neues entdecken und unsere Ziele erreichen – wir können unsere Erfahrungen auf dem Weg dorthin auch mit der ganzen Welt teilen.”

 

Natalie Pistunovich, Backend-Entwicklerin bei GrayMeta

“Als ich ein Jahr in Nairobi gelebt habe und durch Kenia gereist bin, habe ich gelernt, wie viel Wissen darauf wartet, in unserem globalen Dorf geteilt zu werden: Von der Geschichte über die Kultur bis hin zur Technologie. Üblicherweise konzentrieren wir uns darauf, wie das Internet den Menschen in Entwicklungsländern helfen kann, was auf jeden Fall wichtig ist. Aber zu wenige Menschen haben eine Vorstellung davon, wie viel der Westen auch von Entwicklungsländern lernen kann.”