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Nach Aufruf von Mozilla: Facebook stellt offene Ad API noch vor den EU-Wahlen bereit

Nachdem Mozilla gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen Facebook zu mehr Transparenz und Verantwortung aufgerufen hat, kündigt Facebook nun an, seine Ad Archive API bereits nächsten Monat öffentlich zugänglich zu machen. Auch wenn noch keine genaueren Details bekannt sind, ist dies ein wichtiger erster Schritt, um die Transparenz politischer Werbung zu verbessern und Missbrauch bei den bevorstehenden Wahlen zu verhindern.

Indem Facebook die API öffentlich zugänglich macht, würde es Forschern, Journalisten und anderen Organisationen möglich, auf relevante Hintergrunddaten zuzugreifen. Mit diesen Daten können Tools entwickelt werden, die den Menschen einen Einblick geben, wie und warum politische Werbetreibende sie ansprechen. Wichtig ist nun, dass Facebook diesen Aussagen auch Taten folgen lässt und eine offene API liefert, die der Öffentlichkeit die Einblicke gewährt, die sie verdient.

Die Entscheidung von Facebook fällt nach monatelangem Einsatz der Mozilla Corporation im Rahmen von branchenspezifischen Arbeitsgruppen und Regierungsinitiativen sowie einer von der Mozilla Foundation geleiteten Lobbykampagne.

In dieser Woche hat die Mozilla Foundation Unterstützung von einer breiten Koalition aus Technologen, Menschenrechtsaktivisten, Akademikern und Journalisten erhalten. Gemeinsam fordern sie Facebook auf, die eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten und Maßnahmen zu ergreifen, die die User an erste Stelle setzen und mehr Transparenz schaffen.

„Kurzfristig gesehen, muss Facebook das Thema Transparenz in den Wochen vor und während den EU-Parlamentswahlen aufmerksam verfolgen und vorantreiben“, sagte Ashley Boyd, VP of Advocacy bei Mozilla. „Das Handeln – oder die Untätigkeit – des Unternehmens kann sich auf die Wahlen in mehr als zwei Dutzend Ländern auswirken. Langfristig gesehen muss sich Facebook zudem ernsthaft damit beschäftigen, welche Rolle die Technologien und Richtlinien des Unternehmens bei der Verbreitung von Desinformationen und der Aushöhlung der Privatsphäre spielen können.“

Im Januar verfasste Mozilla einen offenen Brief an die Europäische Kommission, in dem die Bedeutung einer öffentlich zugänglichen API deutlich gemacht wurde. Ohne diese Daten sind Mozilla und andere Unternehmen nicht in der Lage, Produkte zu liefern, die die Hintergründe politischer Werbeanzeigen nachvollziehbar machen.

„Die Branche kann nicht ignorieren, dass sie das Potenzial hat, den demokratischen Prozess sowohl zu stärken als auch zu schwächen“, sagte Alan Davidson, VP of Global Policy, Trust and Security bei Mozilla. „Transparenz allein wird Probleme wie Desinformation oder Wahl-Hacking zwar nicht lösen, aber sie ist ein entscheidender erster Schritt. Mit echter Transparenz können wir den Menschen genauere Informationen und leistungsfähige Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit denen sie in ihrem Leben fundierte Entscheidungen treffen können.“

Dies ist nicht das erste Mal, dass Mozilla die Branche auffordert, Transparenz und Auswahlmöglichkeiten für Nutzer*innen in den Vordergrund zu stellen. Im Zuge der Debatte rund um Cambridge Analytica hat die Mozilla Foundation zehntausende Internetnutzer*innen zusammengebracht, um dafür zu sorgen, dass Facebook die aus dem Skandal geborenen Versprechen einhält. Auch die Mozilla Corporation hat Konsequenzen gezogen und die Produktwerbung auf Facebook pausiert. Den Nutzer*innen haben wir mit dem Facebook Container für Firefox außerdem ein Produkt zur Verfügung gestellt, das Facebook davon abhält, Personen auch dann im Internet zu verfolgen, wenn sie nicht auf der Plattform angemeldet sind.

Die Ankündigung von Facebook mag ein Schritt in Richtung Transparenz sein; entscheidend ist jedoch, dass das Unternehmen nicht nur diese Verpflichtung einhält, sondern auch die anderen Versprechen wahr macht, die sie den europäischen Gesetzgebern und Wählern gegeben hat.